Alexander Meschnig: „Selbstzerstörung als Erlösungsphantasma“

Erstausstrahlung: Sonntag, 04.09.22, 06:05 Uhr

Deutschland zeichnet sich insbesondere in den letzten Jahren durch ein stetiges Abgleiten der Politik in eine Art von Traumwelt aus. Der Mangel an realistischer Selbstwahrnehmung und die fehlende Integration von Binnen- und Außenwahrnehmung bestimmen den Charakter einer Gesellschaft, die mehr und mehr der Vernunft und dem Pragmatismus abgeschworen hat. Die deutsche Politik verliert sich dabei immer mehr in den Bildern der eigenen Größe und moralischen Erhabenheit, die mit einer Verdrängung der Realität einhergeht. Die daraus resultierenden Probleme und der unaufhaltbare Einbruch der Wirklichkeit in diese Scheinwelt sind Gegenstand dieser drei Essays.

Kommentare
Ortelsburg
Oh, das war ja ganz gebündelt das, was mir schon seit Jahren durch den Kopf geht, wenn auch eben nicht so wohlformuliert und (fachlich) fundiert, wie hier vorgetragen. Gibt es diese Texte vielleicht auch als Druckversion irgendwo zu erwerben?
(In einem früheren Buch - Deutscher Herbst - hatte A. Meschnig noch die Vermutung geäußert, die Geschehnisse von 2015 würden bei den Deutschen zu einem Erwachen führen. Das war leider nicht der Fall.)
PS: Ich nehme mal an, daß Meschnig unter die Bezeichnung "Deutsche" in diesen Fällen auch die Österreicher subsumiert.

Wuffi
zum ps:
davon dürfen wir ausgehen....
und ja toller aufsatz und auch meine gedankengänge grossteils erwischt.

grüsse

Peter Pan
Sehr beeindruckend !! Vielen Dank dafür. Darüber hinaus, würde ich gerne wissen um welche Musikeinspielungen zwischen den einzelnen Essays es sich handelt. Danke für eine Antwort.

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